Eine mysteriöse Straße

Es gab einen Ort für meine Geschwister und für mich, der uns, wenn wir in Rom bei unseren Großeltern waren, magisch anzog. Wir ließen nichts unversucht, bis wir unseren Vater überzeugt oder besser überredet hatten, indem wir ihn einfach nicht in Ruhe ließen.

Es ist ein mystischer Ort, ein Ort, an dem es nicht mit rechten Dingen zugeht. Es ist eine Straße, die Via dei Laghi, auf der  Gegenstände, die man auf den schwarzen Asphalt legt, den Berg hinauf rollen. Cola-Dosen, Flaschen, Bälle sogar ausgeschüttetes Wasser fließt, wenn auch langsam, nach oben, die Steigung hinauf. Jedes Jahr, wenn wir endlich dort ankamen, standen am Straßenrand ein, zwei Kreuze mehr, mit Namen von Unvorsichtigen, die – wie wir – mitten auf der Straße ausgestiegen waren und dieses Mysterium bewunderten.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, hier entlang.

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Lago di Albano – ein Kratersee in den Albaner Bergen

Als sie ankamen, schillerte der See grün im gleißenden Sonnenlicht, die ersten heißen Strahlen, Vorboten des bald beginnenden Sommers. Einst war hier ein Vulkan gewesen, wodurch der See in der Mitte sehr tief war und unterirdische Strömungen hatte.
            Aufgeregt hielt Giacomo seine Taucherbrille, die er erst vor kurzem zum Geburtstag bekommen hatte, in den Händen und sagte zu seiner Mutter: „Heute werde ich ganz nach unten tauchen, dort, wo der Schlund des Kraters war.“
Letizia lachte. „Willst du das wirklich tun?“
            (. . .)
            Maria beobachtete Giacomo, wie er ausgelassen am Ufer planschte und wie er vergeblich versuchte, mit dem groben schwarzen Vulkansand eine Sandburg zu bauen, als Vincenzo ihn rief: „Giacomo, komm, ich habe eine Überraschung für dich.“
            „Was für eine?“, rief Giacomo aufgeregt und sah im gleichen Moment das blaue kleine Ruderboot.
            „Steig ein, wir fahren zur Mitte des Sees“, forderte Vincenzo seinen Sohn auf.

(aus „Malocchio – der böse Blick“)

Oft sind wir an pasquetta (wörtlich übersetzt: kleines Ostern, gemeint ist der Ostermontag) an den Lago di Albano gefahren – zum Picknicken.
Unterwegs erfuhren wir einmal eine grausige Geschichte, die ich wohl nie vergessen werde. Eine Familie, in diesem Fall, die komplette Familie samt den Großeltern und Urgroßeltern war ein paar Tage zuvor mit einem Schlauchboot mit Motor auf dem See unterwegs gewesen, als plötzlich das Boot mit dem Bug zuerst unter Wasser kam und dann rasant in die Tiefe fuhr. Das Boot wurde nie gefunden. Meine nonna meinte, dass es sicher in den unterirdischen Höhlen des tiefen Sees verschwunden sei. Überlebt hatte lediglich der alte Urgroßvater. Es war klar, dass wir Kinder nicht in das Wasser gingen, obwohl es bereits warm war und ich muss gestehen, dass ich bis heute noch nie im Lago di Albano geschwommen bin.

Hier geht’s zum See

Foto© Angelo Giampiccolo – Fotolia.com